Landesverband Baden

der ev. Akademikerschaft
in Deutschland e.V.

Maulbronn: Weltkulturerbe, Wald und Streuobstwiesen

Ausflug am 21.7.2012 im Rahmen der Veranstaltungsreihe NaTour-KulTour.

Die berühmte Klosteranlage von Maulbronn ist ein eindruckvolles, vollständig erhaltenes Denkmal der Zisterzienserkultur. Für die Evangelische Akademikerschaft ist insbesondere auch die spätere Nutzung als evangelisch-theologisches Seminar interessant, das Oberschüler auf ein Theologiestudium hinführen sollte. Friederich Hölderlin und Hermann Hesse waren berühmte Absolventen dieser Institution.

Nach einer Führung durch die Klosteranlage unternehmen wir eine kleine Wanderung durch Laubwald und Streuobstwiesen, die uns zur südlich der Stadt Maulbronn gelegenen Sternschanze und zurück führt (ca. 10 km). Anschließend besteht die Möglichkeit zur Einkehr in der Klostergastronomie.

Wir treffen uns um 10:30 Uhr im Klosterhof am Kloster-Shop/Infozentrum.

Eine Information für die Nutzer öffentlicher Verkehrsmittel: Um 10:04 Uhr fährt ein Bus (700) ab Busbahnhof Mühlacker, der in Maulbronn planmäßig um 10:21 Uhr ankommt. Mühlacker ist sowohl von Karlsruhe als auch von Stuttgart aus gut mit dem Zug zu erreichen.

Weitere Informationen erteilt Lars Wegner vom badischen Landesverband (tel. 015201600844; Email lars.wegner(at)ihm.fzk.de). Eine Voranmeldung ist erwünscht, aber nicht erforderlich. Auch Gäste sind wieder herzlich willkommen! 


Leben aus dem Reagenzglas - Spielen wir jetzt Gott?

Die ethischen, sozialen und theologischen Herausforderungen der synthetischen Biologie, Diskussionsveranstaltung in Offenburg vom 30.06.2012

Dr. Lars H. Wegner, Heidelberg

Als Kopernikus das ptolemäische Weltbild in Frage stellte und durch eine physikalisch begründete Himmelsmechanik ersetzte, begann der scheinbar unaufhaltsame Siegeszug der Naturwissenschaften, der das ursprünglich religiös zentrierte Weltbild abgelöst und zu einer „Entzauberung der Welt“ (Max Weber) geführt hat. Nun rüttelt die naturwissenschaftliche Forschung auch am letzten großen Geheimnis: dem Ursprung des Lebens und der Grenze, die belebte von unbelebter Materie trennt.

Das Stichwort heißt „synthetische Biologie“ und meint, verkürzt ausgedrückt, die gezielte Herstellung von Leben im Reagenzglas. Diese neue Disziplin geht einen Schritt über die Vorgehensweise der klassischen Gentechnologie hinaus: Es ist nicht mehr nur das Ziel, bereits vorhandene Erbinformationen neu zu kombinieren und auf diese Art und Weise Merkmale von einem Organismus auf einen anderen zu übertragen (zum Beispiel die Resistenz gegen ein Bakterium).

In der synthetischen Biologie geht es darum, die chemische Maschinerie, die das Leben in Gang hält und die in großen Teilen entschlüsselt ist, nachzubauen und zu verändern, so dass Lebewesen mit ganz neuen Erbinformationen entstehen. Wie die Erfolge der Physik den Grundstein zum Aufschwung der Ingenieurwissenschaften legten, so könnte die Entschlüsselung der Grundlagen des Lebens (genetischer Code; Proteomik, also die Katalogisierung der Eiweißmoleküle einer Zelle und ihrer Funktion) den Ausgangspunkt für eine Ingenieurwissenschaft des Lebens bilden, die sich in den Konturen der „synthetischen Biologie“ unserer Tage bereits andeutet.

Wie schon in früheren Fällen (Spaltung des Atoms), zeigt sich auch hier wieder die Ambivalenz des wissenschaftlichen Fortschritts für den Menschen, vielleicht aber in noch radikalerer Weise: Die gezielte Nutzung der Gesetzmäßigkeiten des Lebens eröffnet phantastische neue Möglichkeiten, zum Beispiel bei der Herstellung von Medikamenten, in der Medizin und in der Umwelttechnik. Enthusiasten wie der amerikanische Moralphilosoph Ronald Dworkin sehen schon den Menschen zum Gestalter seines eigenen Schicksals werden (und brandmarken Kritiker, insbesondere wenn sie aus einer religiösen Haltung heraus argumentieren, als Reaktionäre).

Den Vorteilen stehen aber auch erhebliche Risiken gegenüber, die sich, wie so oft am Anfang einer technischen Entwicklung, nur schwer einschätzen lassen. Eine der potentiellen Gefahren liegt in der Entwicklung einer neuen Generation von Biowaffen.

Die geradezu revolutionären Fortschritte in der Analyse und Herstellung von Biomolekülen, der Bausteine des Lebens, im letzten Jahrzehnt hat die Schwelle für den potentiellen Missbrauch sinken lassen. Mit vergleichsweise geringem Know how und technischem Aufwand (verglichen zum Beispiel mit der Herstellung waffenfähigen Urans) können diese Komponenten zu neuen Organismen kombiniert werden, so dass schon vor der möglichen Entstehung einer „Biohacker-Szene“ und von „Bioterrorismus am Küchentisch“ gewarnt wurde (zum Beispiel im Rahmen des EU-Forschungsprogramms „Synbiosafe“).

Für den religiös orientierten Menschen ergeben sich allerdings noch ganz andere Fragestellungen: Maßt sich der Mensch hier nicht an, was allein Gott zukommt? Ist das „Einhauchen des Odems“ nicht ein Privileg Gottes, ein magischer Vorgang? Oder, wem das zu fundamentalistisch klingt: Wird die Ehrfurcht vor dem Leben als eine kulturelle Grundkonstante nicht relativiert, wenn das Leben selbst nicht mehr unverfügbar ist, sondern dem Zugriff der technischen Manipulation unterworfen wird?

An dieser Stelle sind einige einschränkende und relativierende Worte angebracht.

1. Das Herstellen von Lebensprozessen im Reagenzglas aus chemischen Bausteinen stellt keine „Neuschöpfung“ von Leben dar, sondern ist ein reproduktiver Akt, denn die Prozesse werden in Gang gesetzt durch den planenden Verstand des Experimentators – Leben in seiner höchst entwickelten Form ist unmittelbar erforderlich, damit neue Lebensprozesse in Gang gesetzt werden können. Wir sind weit davon entfernt, zu verstehen, wie Leben ohne Zutun des Menschen entstanden sein könnte in einem rein auf naturwissenschaftlichen Gesetzmäßigkeiten beruhenden Prozess. 

2. Die synthetische Biologie bedient sich der „Blaupausen des Lebens“, die sie vorfindet, und wandelt sie allenfalls ab. Wird der Mensch dadurch tatsächlich zum Schöpfer, zum „homo creator“? Der Erlanger Theologe Peter Dabrock verneint das und spricht stattdessen ironisch vom „homo plagiator“.

3. Bisher ist die synthetische Biologie allein auf Erschaffung primitiver Lebensformen gerichtet, wie sie zum Beispiel Bakterien darstellen. Von einem Golem (der legendären Menschen-ähnlichen Schöpfung aus Lehm des Rabbi Loew im Ghetto von Prag) oder gar einem Frankensteinmonster sind wir weit entfernt.

Trotzdem: Die neuen Möglichkeiten der synthetischen Biologie fordern uns heraus in unserem ethischen, kulturellen und religiösen Selbstverständnis. Forderungen nach einem „Verbot“ dieser Forschungsrichtung (oder auch nur nach einem Moratorium, wie sie ETC fordert, eine kanadische Nicht-Regierungsorganisation), sind unrealistisch. Dazu ist das Gebiet zu heterogen, und es fehlt eine rechtliche Handhabe; letztlich wird man immer nur nach Einzelfall-Prüfungen entscheiden können, wo eine ethische oder rechtliche Grenze überschritten wird.

Aber eine kritische Auseinandersetzung mit der neuen Technologie ist auf jeden Fall geboten, wozu auch dieser Beitrag anregen soll. Hierzu einige Anmerkungen:

(1) Wir haben gute Gründe, an unserer religiös und kulturell begründeten Auffassung vom Leben festzuhalten, auch wenn die Aussicht auf seine technische Reproduzierbarkeit anderes nahe zu legen scheint. Die christliche Position schließt eine gesunde Skepsis gegenüber jedem technischen Machbarkeitswahn ein (ohne Technik und Naturwissenschaft an sich zu verteufeln). 

(2) Wir benötigen eine gesellschaftliche Debatte um dieses Thema und die Festlegung auf Regeln, die eindeutig definieren, wo die Forschungsfreiheit im Umgang mit dem Leben endet. Bisher findet die Forschung weitgehend ohne Beachtung der Öffentlichkeit statt. Der deutsche Ethikrat hat sich der Fragestellung angenommen und zum Beispiel kürzlich eine Informationsveranstaltung in Mannheim zu dem Thema durchgeführt, wobei das Risikopotential der synthetischen Biologie allerdings als gering eingestuft wurde.

(3) Die Kirchen sollten Herausforderungen, die von neuen Entwicklungen in den Naturwissenschaften ausgehen, offensiver begegnen und zum Beispiel in die Ausbildung des theologischen Nachwuchses einfließen lassen. Auch in der Diskussion neuer ethischer Probleme, die in diesem Kontext entstehen, ist ihre Stimme mehr als bisher gefragt.

Weiterführende Literatur:

(1) Peter Dabrock, Jens Ried; „Leben machen – Gott spielen?“ Die Politische Meinung 487 (2010), 37-  41

(2) „Die Ingenieure des Lebens“ Artikel in Publik-Forum 184 (2010), 24-28

(3) Pressemitteilung 13/2011 des Deutschen Ethikrates,  http://www.ethikrat.org/presse/pressemitteilungen/2011/pressemitteilung-13-2011

Ausführliches Literaturverzeichnis (Format PDF)

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